Brücken des Dialogs: Unterrichtsgang in die Pasinger Moschee

Die Führung begann im Waschraum. Dort lernten die Schülerinnen und Schüler die rituelle Reinigung als Zeichen von Achtsamkeit und innerer Vorbereitung kennen. Weiter ging es in den großen Gebetsraum, das Herz der Moschee: ein weiter, offener Saal ohne Stuhlreihen, mit kunstvoller Kalligrafie an Wänden und Kuppel.
Herr Türlü erklärte die Gebetsnische (Mihrab), von der aus der Imam vorbetet, sowie die Kanzel (Minbar) für die Freitagspredigt. Als der Gebetsruf erklang, wurde es ganz still. Viele ließen sich von den schwebenden, fast mystischen Klängen berühren.
Im anschließenden Gespräch stand das Gemeinsame im Mittelpunkt. Unterschiede zwischen Menschen, so betonte Herr Türlü mit Verweis auf den Propheten Mohammed, seien kein Problem, sondern ein Segen, der Wachstum ermöglicht. Bald lagen erste Brücken offen zutage: „Den Nächsten lieben wie sich selbst“ verbindet mit christlicher Ethik; der Blick auf Judentum, Christentum und Islam machte den gemeinsamen Bezug der drei abrahamitischen Religionen – zum einen Gott Abrahams – deutlich.
Beeindruckend war die gegenseitige Offenheit der Runde: Fragen zu Gebetspraxis, Glauben, Ethik, Festen und Ritualen standen im Mittelpunkt. Vielen fiel im Vortrag von Herrn Türlü auf, wie vertraut Werte wie Dankbarkeit, Barmherzigkeit und Gemeinschaft klingen – Themen, die sie aus dem Religions- und Ethikunterricht kennen.
Pädagogisch war der Besuch ein Lernweg mit Kopf, Herz und Hand: sorgfältige Vorbereitung, achtsames Beobachten, das Erleben der Gebetsklänge und die anschließende Auswertung im Klassenzimmer. Was habe ich verstanden? Welche Gemeinsamkeiten tragen? Wo unterscheiden wir uns und wie bleiben Unterschiede respektvoll? So wurde aus Information Begegnung, und aus Perspektiven Verständigung.
„Ich wusste gar nicht, wie viel wir teilen.“ – „Der Gesang ging unter die Haut.“ – „Die Regeln ergeben Sinn, wenn man sie erklärt bekommt.“ Genau solche Rückmeldungen zeigen: Dieser Tag hat Brücken gebaut.
Unser Dank gilt Herrn Türlü und der Moscheegemeinde für die herzliche Gastfreundschaft und unseren Schülerinnen und Schülern für ihre Offenheit. Der Besuch in Pasing war ein starker Beitrag dazu, wozu Schule beitragen kann: Vorurteile abbauen, Neugier wecken und Dialog leben. Vielfalt trennt nicht – sie verbindet.
OStR Thomas Schmid
