Der Tag der jüdischen Kultur am GMK: Ein junger Baum beginnt zu sprießen

Dieses fand auch bei der stellvertretenden Landrätin von Dachau, Frau Marianne Klaffki, und der Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Oberbayern-West, der leitenden Oberstudiendirektorin Brigitte Grams-Loibl, die von ihrem für das GMK zuständigen Mitarbeiter, StD Dr. Werner Anetsberger, begleitet wurde, regen Anklang.
Der aus Asien stammende Lebkuchenbaum - ein Geschenk des Dachauer Landrates Stefan Löwl zu Frau Dr. h. c. Knoblochs 90. Geburtstag - wurde bereits am Buß- und Bettag des vergangenen Jahres im Garten unseres neuen Schulhauses gepflanzt.
Aus diesem symbolträchtigen Anlass entstand die Idee eines interaktiven „Tages der jüdischen Kultur“, der nun im Frühling erfolgreich umgesetzt wurde. So konnte sich Frau Dr. h. c. Knobloch nicht nur vom Gedeihen ihres ganz besonderen Baumes überzeugen, sondern auch mit Schülerinnen und Schülern des GMK ins Gespräch kommen. Im Vorfeld wurden die Schülerinnen und Schüler der 8. Jahrgangsstufe auf das Leben und Wirken des Ehrengastes vorbereitet und entwickelten Fragen, die sie Frau Dr. h. c. Knobloch persönlich stellen konnten. Die Siebtklässlerinnen und Siebtklässler wiederum lernten in verschiedenen Workshops fünf Facetten jüdischer Kultur kennen. Ziel war es, die im Unterricht vermittelten Inhalte zur jüdischen Geschichte, Religion und Tradition zu kontextualisieren und mit allen Sinnen erfahrbar zu machen.
Beispielsweise erhielten die Schülerinnen und Schüler Einblicke in die vielfältigen Ausdrucksformen der Klezmer-Musik. Hierfür waren der Klezmer-Musiker Thilo Jörgl als Vertreter des „Münchner Klezmer Trios“ sowie Frau StD Sabine Lenz, Mitarbeiterin an der MB-Dienststelle für die Gymnasien in Oberbayern-West, eigens angereist. Unterstützt wurden sie von der schwäbischen Klezmer-Band „Mesinke“. Durch das Hören charakteristischer Melodien, das Ausprobieren einfacher Rhythmen sowie erste tänzerische Elemente erfuhren die Kinder, wie eng Musik und Bewegung als Ausdruck kulturellen sowie gemeinschaftlichen Erlebens miteinander verbunden sind.
Dass jüdisches Leben nicht nur ein wertvoller, sondern auch ein selbstverständlicher Bestandteil unserer Gesellschaft ist, verdeutlichte ein Workshop der Fachschaften Katholische Religionslehre und Deutsch unter der Leitung von OStR Schmid und OStRin Lenhardt. Die Schülerinnen und Schüler setzten sich mit den Grundlagen des Judentums auseinander und erfuhren, wie gläubige Jüdinnen und Juden ihren Glauben im Alltag praktizieren, von Feiertagen und Gebeten bis hin zu Speisevorschriften und familiären Ritualen.
Die Fachschaft Evangelische Religionslehre unter der Leitung von StR Hölzl fokussierte sich auf drei ausgewählte Synagogen in Bayern und verglich sowohl deren Architektur als auch Gestaltung. Die Ergebnisse der Schülerinnen und Schüler wurden anschließend auf Ausstellungskarten festgehalten und zu einer kleinen Ausstellung zusammengestellt.
Auch die Fachschaft Geschichte brachte sich in Kooperation mit der Universität Regensburg mit dem Projekt „Straße in Bayern – jüdisches Leben in Bayern vor 1933“ ein. Anhand von Bildcollagen und Biografien erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler, wie eng jüdisches Leben mit dem städtischen und dörflichen Alltag im öffentlichen Leben verbunden war. Die Straße stand dabei stellvertretend für viele Orte in Bayern, in denen diese Vielfalt über lange Zeit selbstverständlich war. Durch Gespräche, Materialien und kreative Zugänge entwickelten die Teilnehmenden ein Verständnis für Geschichte im direkten Lebensumfeld und setzten sich mit Fragen von Erinnerung, Sichtbarkeit und gesellschaftlichem Miteinander auseinander.
In einem weiteren Workshop erfolgte eine Einführung in die jiddische Sprache, eine Lingua franca mit Ursprüngen im mittelalterlichen Elsass. Frau Dr. Magdalena Vinco, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Jüdische Literaturen der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, ließ es sich nicht nehmen, aus Heidelberg anzureisen, um gemeinsam mit unseren Schülerinnen und Schülern auf eine linguistische Entdeckungsreise zu gehen.
Dieser Projekttag machte deutlich, dass Schule nicht nur ein Ort der Wissensvermittlung ist, sondern vor allem auch ein zentraler Raum für demokratische Bildung und die Förderung eines friedlichen Miteinanders in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft. In der Überzeugung, dass faktenbasiertes Wissen und interkulturelle Begegnungen die wirksamsten Mittel gegen Ausgrenzung und Hass jeglicher Art darstellen, bleibt die Hoffnung, dass der Baum von Frau Dr. h. c. Charlotte Knobloch an unserer Schule weiterwachsen möge als lebendiges Symbol für Toleranz, Zusammenhalt und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Fachschaften Geschichte, Deutsch, Kath. / Ev. Religionslehre und Ethik